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Willkommen in Tschernobyl: Atom-Drama als Touristenattraktion


„Mein Zähler zeigt jetzt 0,11 Mikrosievert pro Stunde, aber das heißt nicht, dass die Gegend ungefährlich ist. Der Boden ist noch immer verstrahlt“, meint der Reiseleiter. Der Bus durchquert die Grenze zur verbotenen Zone: Willkommen in Tschernobyl.

Touristen sind auf dem Weg zum Ort, an dem sich 1986 die bislang schlimmste Reaktorkatastrophe in der Geschichte abgespielt hat. Unsere Aufnahmen entstanden vor dem Atom-Drama in Japan. Kobe Debosscher ist ein Tourist aus Belgien: „Es ist schon etwas seltsam – aber man kann das ja trotzdem ansehen.“

Tausende Neugierige kommen jedes Jahr nach Tschernobyl – für 120 Euro pro Tag. Die Reisen sind von der ukrainischen Regierung genehmigt. Ein eintägiger Aufenthalt in der Todeszone ist völlig ungefährlich, versichert der Reiseleiter. Vor Reaktorblock Nummer 4 ist die Strahlenbelastung mehr als 30 Mal so hoch wie gewöhnlich. Der Reiseleiter meint: „Hier sind es etwa drei Mikrosievert pro Stunde.“

Karl Backman, ein schwedischer Tourist, ist extra in die Ukraine gekommen, um sich Tschernobyl anzuschauen. Zur Zeit der Katastrophe war er 16. Er erinnert sich noch gut: „Auch in Schweden hatten die Leute große Angst vor der Strahlung und ihren Folgen. Das ist ein wichtiger Teil der Geschichte. Meiner Geschichte, der Geschichte von uns allen.“

Vom Kraftwerk geht es nach Pripiat. Der Ort mit seinen damals 50.000 Bewohnern wurde nach dem nuklearen GAU evakuiert. In der heutigen Geisterstadt ist die Zeit stehengeblieben. Kinderspielzeug und zahllose Gasmasken liegen herum. Bobby Harrington aus Australien: „Die ganzen Sachen, die die Leute zurückließen, machen die Sache sehr real. Es war unbehaglich, in ihre Wohnungen zu schauen. Vielleicht war es zu früh.“

Vor der Abfahrt wird noch die Strahlenbelastung jedes Touristen gemessen. Diese Gruppe kann den Ort ohne Problem verlassen. Doch manche der Reisenden wollen die Kleidung wegwerfen, die sie getragen haben auf diesem Trip nach Tschernobyl.

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